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Schulfenster NRW
Mit dem Blick durch das „Schulfenster NRW“ vermittelt die Stiftung Partner für Schule NRW den Besucherinnen und Besuchern ihrer Internet-Seite Eindrücke vom Schulalltag an nordrhein-westfälischen Schulen. Durch die regelmäßigen Schulportraits sollen insbesondere innovative Konzepte im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung, des Übergangs von der Schule in den Beruf, zum Ganztagsbetrieb sowie zur individuellen Förderung vorgestellt werden. Das aktuelle Schulfenster porträtiert die Käthe-Kollwitz-Schule, Gesamtschule Leverkusen I.
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Schulfenster 5:
Bauen an besserer Bildung
Die Jugendlichen sitzen auf gepackten Koffern. Eigentlich wollten die Schüler der Klasse zehn heute auf Klassenfahrt gehen. Doch ihr Schulleiter hat Ihnen kurzer Hand die Abreise untersagt. Der Grund: Guido Sattler, Leitender Direktor der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Leverkusen-Rheindorf, hatte Zweifel an der Fahrtüchtigkeit der Reisebusse. In der Tat fand die alarmierte Polizei gravierende Mängel an den Fahrzeugen. Jetzt sitzen die Jugendlichen quatschend und feixend in der Herbstsonne und warten auf Ersatz. Genervt ist kaum einer, eher findet sich Dankbarkeit gegenüber dem Schulleiter mit dem Beschützerinstinkt.
Auch wenn Sattler an diesem Septembermorgen für Stillstand sorgt der Mann hat viel bewegt in Rheindorf. Der 62-jährige war eine der treibenden Kräfte hinter der über vier Jahre dauernden Kernsanierung der Käthe Kollwitz Schule. Von 2002 bis 2006 ging die achtzügige Gesamtschule einen staubigen Weg: von der dunklen Lernanstalt hin zum pastellfarbenen Lern-Würfel.
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Ein Bunker voll sozialem Sprengstoff
Guido Sattlers Büro mündet in einen gläsernen Erker. Farblich abgesetzt ragt es aus dem ersten Stock des Hauptgebäudes der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule hervor wie eine Kommandobrücke. Der Blick aus den Fenstern fällt auf viel Grün sowie auf die gepflegten Sportanlagen der Gesamtschule. „Es ist wirklich ein großes Glück für mich, gegen Ende meiner Schullaufbahn noch einmal an der Planung und dem Bau eines weitgehend idealen Lernumfelds beteiligt zu sein“, sagt Sattler in breitem rheinischem Dialekt und lächelt. Das er hierzu Gelegenheit bekommen sollte, war vor rund sechs Jahren bei seinem Dienstantritt in Leverkusen nicht abzusehen.
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Obwohl der zupackende Pädagoge bereits 20 Jahre lang eine Hauptschule in einem Kölner sozialen Brennpunkt geleitet hatte und sich somit „kampferprobt“ fühlte, stand er an der Käthe Kollwitz Schule vor einem schier unüberwindbaren Berg von Problemen. Die Schule präsentierte sich ihm als grauer Moloch, der im Chaos zu versinken drohte. Rund 1500 Schülerinnen und Schüler aus 25 Nationen waren in einem tristen Betonklotz zusammengepfercht, der den Charme eines renovierungsbedürftigen Plattenbaus versprühte. 37 Prozent der Schülerschaft kamen aus Familien mit Migrationshintergund, über zwei Drittel entstammten Familien mit schwierigen sozialen Verhältnissen.
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Diese Konstellation barg eine Menge sozialen Sprengstoffs, der sich auf dem Schulgelände entlud. Vandalismus, Schlägereien und Drogenhandel waren nur drei der Probleme, mit denen sich die Lehrer täglich auseinandersetzen mussten. Die Polizei war regelmäßiger Gast auf dem Schulgelände. „Die Schüler brachten der Schule keinerlei Respekt entgegen und viele Mitglieder des Kollegiums hatten resigniert. Nach drei Wochen dachte auch ich schon daran, alles hinzuschmeißen“, erinnert sich Sattler. Doch der neue Schulleiter gab nicht auf, er entschloss sich zu entschiedenem Handeln. Weil es immer wieder Ärger mit den Anwohnern gab, ließ der Schulleiter zunächst einen unauffälligen grünen Zaun um das weitläufige Areal ziehen. Der Nachbarschaft sollte signalisiert werden: „wir wollen Euch nicht mit unseren Problemen belasten, wir wollen sie schulintern lösen.“ Aber der eigentliche Startschuss zu einem langfristigen Optimierungsprozess an der Gesamtschule wurde durch eine neuerliche Hiobsbotschaft ausgelöst: 2002 konstatierte ein Gutachten der Schule eine gesundheitsgefährdende PCB-Belastung.
Die Belastung wurde zur Chance
Die krebserregende Substanz im 1972 errichteten Haupttrakt der Schule machte eine Kernsanierung bis auf den Rohbau erforderlich. Sattler sah darin die einmalige Chance, einen baulichen Neubeginn zu versuchen, der die Schaffung einer inspirierenden Lern- und Arbeitswelt für Schüler und Lehrer zum Ziel hatte. Hierfür stellten die Leverkusener Stadtväter zehn Millionen Euro zur Verfügung. Nach der Ausschreibung wurde das Leverkusener Architekturbüro Wirtz & Kölsch mit der Planung und Durchführung der erforderlichen Maßnahmen betreut. Es orientierte sich dabei stark an den pädagogischen Vorgaben, die eine Lehrerarbeitsgruppe der Gesamtschule formuliert hatte. Was folgte war ein vierjähriger Sanierungsprozess bei laufendem Schulbetrieb, der die Schüler und Lehrkräfte an der Käthe Kollwitz an die Grenzen ihrer Belastbarkeit brachte. „Die Belästigung durch Dreck und Lärm war zeitweise enorm“, erinnert sich Sattler. „Teilweise wurden ja ganze Gebäudeteile aus dem Bau heraus gebrochen. Das ging gar nicht ohne Krach und Staub.“ Um dem Baulärm wenigstens zeitweise zu entfliehen und den entstandenen Platzmangel zu kompensieren, entstand auf dem Schulhof eine bunte Containerstadt. Mut machte dem Kollegium und der Schülerschaft die Fertigstellung einzelner Gebäudeteile. „So bekamen wir Stück für Stück ein Gefühl dafür, wie schön die ganze Schule einmal werden würde. Das half uns allen dabei durchzuhalten“, erzählt Sattler.
Glas, Holz und warme Farben
Heute betritt der Besucher die Käthe-Kollwitz-Schule durch eine hohe, gläserne Vorhalle. Dunkler Steinboden kontrastiert mit eierschalenfarbenen Wänden. Vor dem Lehrerzimmer im ersten Stock geben große Fenster den Blick auf einen begrünten Lichthof frei. „Dies ist einer der Gebäudebereiche, der komplett entkernt wurde. Der Lichthof erhellt weite Teile der Schule, Kunstlicht wird nicht mehr benötigt“, erläutert Sattler. In einheitlichen Bilderrahmen hängen bereits in Eingangsnähe Schüler-Kunstwerke und großformatige Fotografien aus dem Schulleben. „Es war Teil des neuen pädagogischen Konzepts, unseren Jugendlichen viele Präsentations- und Darstellungsmöglichkeiten zu geben. Mehrere hundert Bilderrahmen haben wir hier inzwischen an den Wänden. Damit unterstützen wir bei unserer Schülerschaft die Herausbildung einer Corporate Identity. Die Wertschätzung der Schüler gegenüber ihrer Schule wurde so enorm gesteigert“, erklärt der Schulleiter.
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Besonders auffällig ist auch die Gestaltung der neu geschaffenen „Lebensbereiche“, die die einzelnen Jahrgangsstufen beherbergen. Die einzelnen Klassenräume liegen am Rande einer in warmen Farben gehaltenen Vorhalle, die in geschwungenen Sitzgelegenheiten aus Holz endet. Pro „Lebensbereich“ gibt es eine „Lehrerstation“, die als dezentrales Lehrerzimmer die Klassenlehrer der jeweiligen Jahrgangsstufe beherbergt. „Unsere Schule ist groß“, erklärt Sattler „aber durch die Lehrerstationen ist zwischen Schülern und Lehrern stets auch eine räumliche Nähe gewährleistet.“
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Neben der eigentlichen Renovierung wurde auch der virtuelle Raum neu gestaltet. Die gesamte Schule wurde vernetzt und über ein Intranet können Schülerinnen und Schüler heute gemeinsam mit den Pädagogen Lerninhalte abrufen, bearbeiten und austauschen. Lehrerarbeitsplätze wurden mit neuen Rechnern und Internetzugängen ausgestattet, für die Schülerschaft wurde ein Selbstlernzentrum mit Laptops eingerichtet. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule bekamen eine eigene Schulmailadresse, eine Top-Level-Domain für die Schulhomepage wurde gesichert, ein umfangreiches Web-Angebot aufgebaut. Zukunftsorientierte Investitionen, die die Schüler gutheißen: „Ich find`s echt gut, dass die Schule jetzt nicht nur modern aussieht, sondern auch mit neuester Technik ausgerüstet ist. Das Lernen mit Computer, Internet, Beamer und so macht auch viel mehr Spaß“, sagt Rene aus der Jahrgangsstufe zehn.
In den unteren Jahrgängen ist eher der gesteigerte Wohlfühlfaktor der Schule ein Thema: „Die neuen Sitzecken vor den Klassenräumen sind voll gemütlich. Vor allem im Winter kann man da super sitzen und mit Freundinnen quatschen“, erzählt die vierzehnjährige Jennifer. Ein ansprechendes Schulgebäude und eine moderne Ausstattung können jedoch, auch angesichts der hohen Schülerzahl, nicht alle Probleme an „der Käthe Kollwitz“ lösen. Natürlich gibt es wie an allen Schulen Konflikte in den verschiedensten Feldern. Aber echter Ärger ist deutlich seltener geworden: „Insgesamt bringen die Schüler ihrer Schule heute deutlich mehr Achtung entgegen“, hält der Schulleiter fest.
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Auf dem Weg zur Schule der Zukunft
Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule wurde nicht nur radikal umgestaltet, auch in zahlreichen anderen sensiblen Bereichen der Schul- und Unterrichtsentwicklung wurde ihr Angebot ausgeweitet. Umfangreiche Sprachförderung für Schüler mit und ohne Migrationshintergrund, Unterstützung des Übergangs von der Schule in den Beruf u.a. durch den Betrieb mehrerer Schülerfirmen, die Entwicklung neuer Unterrichtsinhalte mit außerschulischen Kooperationspartnern sowie ein erweitertes sozialpädagogisches und schulpsychologisches Betreuungsangebot für Schüler und Lehrer sind hierfür Beispiele.
Schulleiter Guido Sattler geht bald in Pension. Vorher würde er aber gerne noch weitere bauliche Veränderungen an der Käthe Kollwitz Schule realisieren: „Wir wollen bald einige Flächen des Schulhofs entsiegeln. Die Betonierung soll aufgebrochen und der gewonnene Raum renaturalisiert werden. Damit würden wir die im Innern der Schule begonnene Entwicklung auch draußen auf dem Schulgelände weiter voranbringen.“ Jetzt schon zieren den Schulhof futuristische Sitzgelegenheiten aus gebogenen Edelstahlstangen, bunte Fitnessgeräte kontrastieren den grauen Bodenbelag. Etwas Altes aufbrechen und etwas Neues daraus entstehen lassen ein Satz, der die Veränderungen an der Käthe-Kollwitz- Gesamtschule Rheindorf auf den Punkt bringt. Die Schule hat sich auf den Weg in die Zukunft gemacht. Stillstand darf es nicht geben. Außer er hat mit Bussen zu tun und mit der Sicherheit der Schüler.
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| Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, Leverkusen-Rheindorf: |
Schulform: |
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Gesamtschule (seit 1972) |
Schülerzahl: |
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ca. 1.500 |
Kollegiumsstärke: |
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120 |
Schulleiter: |
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Guido Sattler |
Besonderheit: |
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Kernsanierung bei laufendem Schulbetrieb von 2002 - 2006
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Besondere Förderangebote im Bereich Übergang Schule / Beruf:
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Umfangreiches Praktikumsnetzwerk; mehrere Unternehmenspartnerschaften u.a. mit lokalem Finanzdienstleister sowie einem Energieversorger; Betrieb mehrerer Schülerfirmen („McClean, McLearn); jahrgangsübergreifende Berufsorientierungsmappe für jeden Schüler
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Ansprechpartner Stiftung Partner für Schule NRW: Adrian Pickshaus
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| Weitere Informationen zum Projekt
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