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Schulfenster NRW
Mit dem Blick durch das „Schulfenster NRW“ vermittelt die Stiftung Partner für Schule NRW den Besucherinnen und Besuchern ihrer Internet-Seite Eindrücke vom Schulalltag an nordrhein-westfälischen Schulen. Durch die regelmäßigen Schulportraits sollen insbesondere innovative Konzepte im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung, des Übergangs von der Schule in den Beruf, zum Ganztagsbetrieb sowie zur individuellen Förderung vorgestellt werden. Das aktuelle Schulfenster porträtiert die LernFerien Nordrhein-Westfalen in Lindlar.
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Schulfenster 6:
Motivationsschub im Grünen - LernFerien Nordrhein-Westfalen in Lindlar
Aus dem Handy scheppert Hip-Hop-Musik. Robin und Maurice nicken lässig mit dem Kopf. Die beiden 15-jährigen Hauptschüler tragen Kapuzenpullover, ihre Trainingshosen haben sie in die Socken gestopft – das typische Outfit zweier Großstadtjugendlicher. Die beiden „kölschen Jungs“ wirken ein wenig deplaziert hier im ländlichen Lindlar, wo sie an diesem Frühjahrsmorgen vor der Jugendherberge in der Sonne sitzen.
Robin und Maurice sind nicht im Rahmen einer Klassenfahrt in die grüne Idylle des Bergischen Landes gekommen. Sie sind zum Lernen hier. Genauer gesagt: Sie sind hier um wieder Lernen zu lernen. Denn die beiden gehören zu den ersten Teilnehmern der „LernFerien Nordrhein-Westfalen“. Insgesamt 100 versetzungsgefährdete und schulmüde Jugendliche sollen im Rahmen dieser Initiative Hilfe und neue Motivation für den Schulalltag erhalten. Das Projekt findet an fünf verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen statt, in Lindlar sind 10 Jungen und 10 Mädchen aus dem Regierungsbezirk Köln zu Gast.
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Energie für den Schulalltag tanken
Eine Zwangsmaßnahme sind die LernFerien Nordrhein-Westfalen nicht, kein Büffelcamp. Die Jugendlichen nehmen allesamt freiwillig teil, sie wurden lediglich von ihren Schulen vorgeschlagen. Nun opfern Sie vier wertvolle Tage ihrer Osterferien, um für den schon bald wiederkehrenden Schulalltag fit zu werden. Egal ob Haupt-, Real- oder Gesamtschülerinnen und -schüler, hier bekommen die Jugendlichen etwas, was Ihnen ihre Heimatschulen nicht immer bieten können: passgenaue und bedarfsorientierte individuelle Förderung.
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Die Betreuung der Achtklässlerinnen und Achtklässler übernehmen sechsköpfige Teams, zu gleichen Teilen aus Sozialpädagogen und –pädagoginnen freier Bildungsträger sowie aus Lehrkräften bestehend. Sie fördern die Schülerinnen und Schüler in den vier Bereichen „Soziale Kompetenzen“, „Lernkompetenzen“, „Berufswahlkompetenzen - Ausbildunsgsreife“ sowie bei der sinnvollen Gestaltung von Freizeit- und Sportaktivitäten.
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So arbeiten die Jugendlichen während ihres Aufenthalts an ihren „soft skills“ – Teamarbeit, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Ergänzend hierzu steht der Erwerb von Lernkompetenzen auf der Agenda: Die Jungen und Mädchen verbessern ihre Selbstorganisation und strukturieren ihre Lernprozesse beispielhaft anhand der Kernfächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Denn für schulischen Erfolg ist es nur begrenzt entscheidend wie viel gelernt wird. Wie gelernt wird ist häufig der bedeutendere Faktor.
Ein weiterer Förderschwerpunkt der LernFerien Nordrhein-Westfalen liegt auf dem Thema Ausbildungsreife. Schülerinnen und Schüler sollen ihre Stärken und Schwächen kritisch analysieren und im Hinblick auf eine spätere Berufswahl konkretisieren. Denn viele Jugendliche kennen nur einen Bruchteil möglicher Ausbildungsmöglichkeiten was häufig zu überhasteten Entscheidungen und Notlösungen führt. Und schließlich geht es in den LernFerien auch um eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Durch ein spannendes Rahmenprogramm mit viel Sport sollen Gesundheitsbewusstsein und Kreativität der Jugendlichen gefördert werden.
„Ich kann das, ich schaff das!“
Ein anspruchsvolles Programm, für dessen Umsetzung in Lindlar Uta Schuhmann zuständig ist. Die diplomierte Sozialpädagogin sitzt in einem kleinen Besprechungszimmer der Jugendherberge. Ihre Hände umschließen eine Tasse mit dampfendem Kaffee. „Natürlich können wir hier die Schüler nicht in vier Tagen von der fünf auf die eins bringen“, erklärt Schuhmann.
„Darum geht es aber auch gar nicht. In erster Linie wollen wir bei den Jugendlichen das Gefühl schaffen: Ich kann das, ich schaff das!“
Dass die Jugendlichen in Lindlar keine homogene Gruppe sind, sondern von verschiedenen Schulen und Schulformen kommen, ist für die Pädagogin ein großer Vorteil:
Viele der Jungen und Mädchen, die hierher kommen, trauen sich zu Beginn der LernFerien nicht, vor der Gruppe etwas zu sagen. Sie sind vielleicht Aussenseiter in ihren Klassen oder werden gezielt gemobbt. Durch den Aufenthalt hier erlangen sie ein Stück weit ihr Selbstbewusstsein zurück und können dann auch mal zeigen, was eigentlich in ihnen steckt. |
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Während des Projekts erarbeiten die Betreuerinnen und Betreuer einen individuellen Förderplan für die Jugendlichen. Diese Unterlagen werden anschließend an die Schulen weitergegeben. Denn ganz entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der LernFerien ist eine Verzahnung mit den Heimatschulen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dazu gehören Rücksprachen der Betreuerteams mit den Lehrerinnen und Lehrern, Nachtreffen der Schülerinnen und Schüler sowie das Einbetten der Erfahrungen und Erkenntnisse der Jungen und Mädchen in die innerschulischen Programme zur individuellen Förderung. Gerade im letzten Punkt sind die Herkunftsschulen nicht unbedarft: Sie alle wurden vom nordrhein-westfälischen Schulministerium mit dem Gütesiegel Individuelle Förderung ausgezeichnet.
Chance für innovative Lernmethoden
Günter Winands, Staatssekretär im Schulministerium, ist nach Lindlar gekommen, um sich von der Umsetzung des Konzepts ein Bild zu machen. Nun sitzt er plaudernd zwischen drei Schülerinnen im Speisesaal der Jugendherberge.
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Bei Braten, Rotkraut und Klößen erläutert Winands die Vorteile der LernFerien: Schulischer Erfolg hängt ganz entscheidend von der inneren Einstellung ab. Während ihres Aufenthaltes hier können die Schülerinnen und Schüler in einer angenehmen Atmosphäre einen Motivationsschub für das verbleibende Schuljahr mitnehmen. Besonders wichtig sei die gezielte Förderung der Berufsorientierung im Rahmen des Programms: Unsere Jugendlichen haben Interesse am Lernen. Aber es muss ihnen auch gezeigt werden, wozu das Ganze dient. Dann sind sie viel eher dazu bereit, sich für den Lernerfolg ins Zeug zu legen. |
Winands sieht in den LernFerien zudem die Chance, innovative Lehrmethoden auszuprobieren und in den Schulalltag zu übertragen: Natürlich haben wir hier Bedingungen, die wir im Regelbetrieb an den Schulen so nur selten vorfinden. Aber auch wenn sich vielleicht nicht immer zwei Lehrer um eine Sechsergruppe Schülerinnen und Schüler kümmern können, Lernstudios und Kleingruppenförderung sind schon an vielen unserer Schulen Realität. Zurzeit bemüht sich das Schulministerium, das gemeinsam mit der Stiftung Partner für Schule NRW und mit finanzieller Unterstützung der Ida & Richard Kaselowsky Stiftung die LernFerien ins Leben gerufen hat, um eine zeitliche und räumliche Ausweitung des Konzeptes. Neue Unterstützer werden gesucht, über alternative Finanzierungsmodelle z.B. durch Elternbeteiligung wird nachgedacht. Der Pilotversuch in den Osterferien ist für die Schülerinnen und Schüler kostenlos.
Robin und Maurice wissen das Angebot jedenfalls zu schätzen. „Klar hab` ich mich freiwillig gemeldet, als mein Lehrer gefragt hat, wer Bock hätte da mitzumachen“, sagt Maurice. Er hätte einfach Lust gehabt, besser Lernen zu lernen. Robin gefällt an dem Programm in Lindlar besonders die Kleingruppenarbeit in Deutsch, Mathe und Englisch: „Das ist krass, da wird so richtig darauf eingegangen, was ich halt noch nicht so gut kann. Dazu ist in meiner Schule nicht soviel Zeit.“ Beide finden selbstverständlich auch das Rahmenprogramm spannend, auch Sport ist in ihrem Alter natürlich von großem Interesse. Am abschließenden Discoabend werden die beiden jungen Kölner im Partyraum der Jugendherberge für die Musik sorgen. Hip Hop werden sie auflegen. Klar, was auch sonst.
Ansprechpartner Stiftung Partner für Schule NRW: Adrian Pickshaus
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| Weitere Informationen zum Projekt
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